Die Fahrt durch die Karibik war eher unbeständig. Der Wind war eher schwach und änderte die Richtung oft unvorhersehbar. Zumindest war auf die Vorhersagen nur wenig Verlass. Entsprechend glich der Rennverlauf einer Wetter-Lotterie. Aber grundsätzlich blieb die Flotte dicht beieinander. Erst nachdem die Lücke zwischen Kuba und Haiti passiert war verteilte sich alles etwas.
Wir hatten drei verschiedene Tore, durch die wir wahlweise unseren Weg nach Norden bestreiten konnten. Zwei westlich von Great Inagua Island und eines östlichen. Während sich die meisten Boote für das östliche Tor entschieden, folgten wir den zu diesem Zeitpunkt führenden Teams nach Westen und passierten durch das westlichste Tor. Im folgenden gab es weitere zwei Tore, je eines westlich und eines östlich von Mayaguana. Die meisten Boote blieben ihrer Strategie treu und passierten das näher gelegene Tor.
In diesem Bereich waren erwartungsgemäss viele Gewitterzellen. Besonders nach Sonnenuntergang zuckten Blitze oft stundenlang durch den Nachthimmel. Immer wenn wir einer Zelle etwas näher kamen, frischte der Wind auf und drehte oft. Dann hiess es schnell das Grosssegel zu reffen um möglichst viel aus dem Wind zu machen und nicht nur auf die Seite gelegt zu werden. Und so schnell der Wind gekommen war verschwand er dann meist nach ein paar Minuten wieder. Um Schäden an der Elektronik vorzubeugen war das Verbindungskabel zu den Windinstrumenten in der Mastspitze dabei meist ausgesteckt. Entsprechend mussten wir die Richtung und Stärke des Windes auf Grund von Verklicker und dem Verhalten der Segel abschätzen. Das ist zwar nicht immer ganz einfach, klappt in der Regel aber ganz gut.
Mit der zweiten Reihe an Toren liessen wir auch die Karibik hinter uns. Wir waren zurück im Nordatlantik. Damit nahmen die Gewitterzellen ab. Leider hatten wir aber auch weniger Wind. So war der Fortschritt zu nächst eher langsam. Erst als der Wind etwas auffrischte, beschleunigte das Boot und wir konnten ein paar Meilen hinter uns lassen. Gestern Morgen entwickelten sich dann direkt neben uns zwei Windhosen. Wir versuchten unser Glück und hielten auf die Mitte zu. Auch wenn der Wind zwischenzeitlich stark zunahm, gelang es uns die beiden Windhosen zu meiden. Aber auch dies war nur von kurzer Dauer. Zwischen dem Reffen und dem Ausreffen lagen gerade mal 20 Minuten. Seither hat der Wind stark abgenommen. Leider direkt nach dem wir in den Ocean Sprint gestartet sind. Einziger Trost ist, dass es den anderen Booten ähnlich geht. Aber das heisst vermutlich auch, dass die Rangliste vom Sprint eher zufällig sein wird, je nachdem wem es gelingt früher etwas Wind zu finden. Danach sind es dann nur noch ein paar hundert Meilen bis zum Ziel. Anschliessend folgt eine rund 30 stündige Motorfahrt durch Chesapeak Bay und Potomac River bis nach Washington DC. Momentan sieht es so aus als ob das aber noch ein paar Tage dauern könnte. Mal sehen was der Wind so macht.

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