Die Ankunft in Oban wird uns wohl lange in Erinnerung bleiben. Als ich aufgewacht bin und wir noch immer fast am gleichen Ort waren wie am Abend zuvor, war die Enttäuschung zwar gross. Doch als ich sah, dass das vor uns liegende Boot Unicef ebenfalls kaum vom Fleck gekommen war, kam ein Anflug von Hoffnung. In den folgenden Stunden folgte dann eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Mal gelang es uns etwas aufzuholen und dann zog Unicef wieder davon. Alles in Sichtweite und abhängig davon, wer gerade etwas mehr Wind erwischte.
Dazu kam dann auf einmal die Angst selbst noch überholt zu werden. Die hinter uns liegenden Boote hatten ebenfalls das Windloch erreicht. Und dort ist nunmal alles möglich, abhängig davon, wo sich ein Windhauch erhebt und uns erlaubt vorwärts zu kommen. Es war nach dem Mittag als wir die Tonnen erspähten, die die Ziellinie markierten. Unicef lag zwar noch vor uns, aber wir hatten die Lücke mal wieder etwas verkleinert. Für die folgenden zwei oder drei Stunden waren wir hoch konzentriert und versuchten aus jedem noch so leichten Windzug Kapital zu schlagen. Und das gelang uns dann auch ganz gut. Nur wenige Meter vor der Ziellinie konnten wir uns an Unicef vorbeischieben und so den zweiten Platz sichern, nachdem Gosh bereits am Vorabend die Linie überquert hatte.
Die Zeit in Oban war zwar länger als die letzen Stopover und trotzdem viel zu kurz um alles zu entdecken. Die regulären Reinigungsarbeiten waren schnell erledigt, sowie auch der Unterhalt. So gab es Zeit für einen Ausflug mit kurzer Wanderung in die Schottischen Highlands, eine Tour durch die Oban Distillery und ein Besuch der vorgelagerten Inseln. Nebenbei durfte auch die Erholung nicht zu kurz kommen. Dazu war ein Besuch in der Sauna direkt am Strand perfekt.
Seit Sonntag sind wir nun auf der letzten Etappe unterwegs. Dabei gelang uns der Start vortrefflich. Leider kamen wir aber danach nicht so gut in Fahrt wie andere Boote. Während bei dem Team von Washington DC eine Wante brach und sie zurück an Land mussten, brach bei uns rund zwei Stunden nach dem Start das Grossfall. Das Segel kam herunter und wir sahen die anderen Boote davon segeln. Zum Glück brauchten wir nur rund eine Stunde um das Fall neu einzuziehen und das Grosssegel wieder zu setzen. Auch Washington DC ist wieder unterwegs.
Für uns war das rechtzeitig um sich vor der Westküste Irlands zumindest einen Zusatzpunkt in der Zwischenwertung zu sichern. Mittlerweile haben wir die Südspitze von Irland hinter uns gelassen. Noch führt aber unser Kurs weiter nach Süden in der Hoffnung dem Windschatten südlich der irischen Insel zu umfahren. Es bleibt spannend und wir erwarten die Ziellinie am Freitag zu erreichen.
Am Samstag folgt dann noch ein Sprintrennen, bevor wir mit einer grossen Parade wieder in Portsmouth einlaufen um unser Rennen zu feiern. Ein Rennen in dem wir tausende Seemeilen zurückgelegt und unzählige Erinnerungen gesammelt haben. Was es heisst, die Erde umrundet zu haben, ist mir momentan noch gar nicht klar. Vom Zieleinlauf und der anschliessenden Parade sollte es ab dem Mittag einen Livestream geben. Der Link dazu findet sich auf der Webseite des Rennens.

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