Vor knapp einer Woche haben wir Washington DC verlassen und sind durch den Potomac River und anschliessend Chesapeake Bay zurück in den Atlantik gefahren. Das Wetter zum Abschied war sehr regnerisch, sodass die grosse Abschiedszeremonie auf der Bühne ausfiel – genauso wie auch das Feuerwerk. Nichtsdestotrotz absolvierten wir eine Parade mit dem Washington Monument im Hintergrund und verliessen die US-Hauptstadt mit Polizei-Eskorte. Auch wenn das grosse Feuerwerk ausblieb zündete jede Yacht auf dem Vorschiff eine Rauchfackel, was in der Abenddämmerung sicher ein besonderer Anblick war. Ich freue mich schon auf die Bilder, sobald wir wieder an Land sind.
Während ich beim Einlaufen noch die Passage unter der Woodrow Wilson Memorial Bridge verpasst hatte, konnte ich sie diesmal aus bester Perspektive direkt vom Vorschiff aus betrachten. Die Dimension der Brücke ist beeindruckend genug und zusammen mit der Beleuchtung bei Nacht einfach nur atemberaubend. Und so fuhren wir zusammen mit den anderen neun Booten zurück in Richtung des offenen Ozeans.
Sobald wir den Potomac River verlassen hatten und es etwas freier war setzten wir unsere Segel und liessen uns mit raumen Winden tragen. So begegneten wir dann auch drei Grossseglern, die aber allesamt ohne gesetzte Segel unterwegs waren. Eines war die Gorch Fock, die an verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen des 250 jährigen Jubiläums der Amerikanischen Unabhängigkeit teilnimmt, so wie vermutlich auch die anderen beiden Schiffe. Es war ein schönes Gefühl soweit weg von zu Hause ein bekanntes Schiff zu sehen.
Der Start verlief eher ereignisarm. Die erste Zeit war geprägt von schwachen Winden, sodass alle Boote versuchten möglichst schnell den Golf-Strom zu erreichen um sich tragen zu lassen. Dabei scheint unsere Strategie ganz gut funktioniert zu haben, sind wir nun seit mehreren Tagen in der Spitzengruppe unterwegs. Viel zu bedeuten hat das zwar noch nicht, sind es doch noch rund 2’300 Seemeile bis zum Ziel in Oban. Aber der Fortschritt in den letzten Tagen war gut und wir haben dauerhaft einen Schnitt von über zehn, teilweise sogar von zwölf Knoten halten können.
Zwei der Boote haben offenbar auf dem Weg zum Start ihr Grosssegel beschädigt, weshalb sie nur unter Sturmsegel gestartet sind. Bei uns gab es hingegen nur kleinere Schäden, die wir zeitnah beheben konnten. So gab bei unserem Probestart einer der gespleissten Ringe nach, die wir jeweils am Kopf und Hals unserer Vorsegel haben. Das Timing war gut und wir konnten sowohl das Fall wieder unter Kontrolle bringen, als auch den Ring am Segel ersetzen, bevor dann der eigentliche Start erfolgte. In den folgenden Tagen entdeckten wir dann einen weiteren Ring, der kurz davor war, sich zu öffnen, an einem der Spinnacker. Am Tag darauf entdeckte dann jemand einen Riss im Spinnacker, sodass wir ihn sicherheitshalber bargen. Beide Probleme sind zwischenzeitlich behoben. Und auch sonst haben wir teilweise mehrere Segelwechsel pro Wache durchgeführt, um jeweils bestmöglich für die vorherrschenden Bedingungen gerüstet zu sein. Denn die Vorhersagen waren bisher nicht wirklich verlässlich. So bleibt uns nichts anderes als auf das zu reagieren, was sich vor unseren Augen abspielt.
Und auch die Tierwelt scheint sich von ihrer guten Seite zu zeigen. Während der Atlantik bisher eher enttäuscht hat, haben wir seit dem Start bereits mehrere grosse Delphin-Schulen gesehen. Dazu kommen dann auch wieder unliebsame Besucher. Fliegende Fische landen nicht nur an Deck, sondern haben bereits mehrere Personen direkt getroffen. Vermutlich eine weitere Folge der hohen Anzahl an Crew.
Obwohl es so langsam etwas kühler wird, ist es unter Deck nach wie vor stickig und warm. Bei so vielen Personen reichen die spärlichen Lüftungsmöglichkeiten nicht aus, um all die Wärme abzuleiten. Und jetzt ist es nass an Deck und wir müssen die Luken schliessen, um nicht zu viel Wasser zu ziehen. Das verschärfte die Situation nochmal. Auf der anderen Seite haben wir in der Regel mehr als genug Leute auf Wache, dass wir nur selten jemanden von der anderen Wache wecken müssen, um ein Manöver durchzuführen. Und es gibt auch mehr Abwechslung in den Gesprächsthemen mit mehr Leuten, was gerade jetzt gegen Ende des Rennens sehr willkommen ist.

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