Erster Podestplatz?!?

Nach dem Start war das erste Zwischenziel der Ocean Sprint. Wieder gab es Bonuspunkte für die Boote, die die Strecke zwischen zwei Linien am schnellsten bewältigten würden. In unserem Fall waren es die Breitengrade 23 Grad Nord und 26 Grad Nord. Das Besondere war, dass uns der Kurs nicht wie üblich mehr oder weniger direkt durch die Zone sondern schräg, mit weiteren Kursmarken innerhalb des Sprints. Es zeichneten sich verschiedene Ansätze ab. Während einige versuchten möglichst nahe an der Ideallinie für das Rennen entlang zu segeln, entschieden sich zwei Boote südlich der Zone nach Osten zu segeln um dann direkter in der Nord-Süd Achse queren zu können. Das zahlte sich aus und die beiden Boote belegten die beiden ersten Plätze für den Sprint, während es sie auf das gesamte Rennen bezogen etwas zurück warf. Wir belegten mit weniger als einer Stunde Rückstand auf den dritten Platz Rang vier. Damit gingen wir wieder einmal leer aus.

Nach dem Ende des Sprints mussten wir die Kette von Japanischen Inseln zwischen zwei Marken queren. Somit gelangten wir bei schwachen bis mässigen Winden in das Ost-Chinesische Meer. Hier stand die nächste Frage an. Sollte man Kurs direkt auf das Ziel vor Qingdao nehmen, schliesslich gab es von dem Tor durch die Inseln bis zum Ziel keine weiteren Marken. Oder sollte man den Umweg nach Norden in Kauf nehmen um potenziell Punkte im Scoring-Gate zu ergattern. Wir entschieden uns für die letztere Variante, da die vorhergesagten stärkeren Winde nördlich des Gates den Umweg ausgleichen sollten.

Als wir in der Leichtwindzone direkt vor dem Gate versuchten unseren Leichtwind-Spinnaker zu setzen, verhedderte sich eine Leine um das Segel und wir mussten es wieder bergen um etwas später den frisch reparierten Spinnaker für mittlere Winde zu setzen. Durch diese ungewollten Segelwechsel und die damit verbundenen Geschwindigkeits-Einbussen gelang es dem Team vom Yacht Club Punta del Este in Sichtweite mit ihrem gesetzten Leichtwind-Spinnaker an uns vorbei zu ziehen und das Gate wenige Minuten vor uns zu passieren. Sehr ärgerlich zumal der Fehler vermeidbar gewesen wäre. Aber so ist es nunmal und manchmal entscheiden Minuten, auch wenn das gesamte Rennen über etliche Tage dauert.

In der Folge entschieden wir uns für leicht unterschiedliche Kurse, da die Wettervorhersagen offenbar unterschiedlich interpretiert wurden. Schliesslich bekommen alle zehn Boote einmal täglich die selben Informationen. Jede weitere Unterstützen von extern ist verboten. Wessen Route die bessere Wahl war, stand lange nicht fest. Anfänglich waren die Geschwindigkeiten noch sehr ähnlich. Nachdem sie die Funkreichweite verlassen hatten waren wir auf die Positions-Mitteilungen der Rennleitung angewiesen, die wir alle sechs Stunden erhalten. Hier stellte sich leider das Problem, dass die Datenübertragung von Puntas Tracker beeinträchtigt war, sodass ihre Position in den Mitteilungen oft Stunden hinter denen der anderen Boote zurück hing. Das machte den Vergleich aufwendiger und vor allem verzögert. Als dann rund zwei Tage vor dem Ende des Rennens unser Navigations-Laptop ausfiel, haben wir ohnehin nur noch sehr wenige Informationen bekommen. Entsprechend wussten wir eigentlich nur über die Boote Bescheid, die sich in Reichweite vom AIS befunden haben, was je nach Wetter rund 20 Seemeilen weit übertragen wird.

So waren die letzten paar Stunden auf dem Weg zur Ziellinie durchaus nervenaufreibend. Nicht nur war das Wetter deutlich kälter geworden, sodass nun alle ihre dicken Zwischen-Schichten rausgeholt hatten. Auch der Wind hatte etwas nachgelassen und gedreht, sodass nicht klar war ob wir die Ziellinie direkt erreichen würden oder nochmal eine Wende fahren müssten. Das einzige, was für uns sprach, war dass wir auf Grund unserer Kurswahl weiter in Luv waren, als die meisten anderen Boote. Einzig das Team Gosh hatte sich noch weiter in Luv an uns vorbei geschoben. Als wir dann die Ziellinie rund 30 Seemeilen vor der Chinesischen Küste überquerten, begrüsste uns das Team Gosh. Nach einem kurzen Austauch über Funk war klar, dass wir als zweites Boot die Ziellinie überquert hatten. Damit stand fest, dass wir unseren ersten Podestplatz erreicht hatten.

Wir warteten im Zielbereich nun auf die weiteren Boote, da wir erst am nächsten Tag in Qingdao erwartet wurden. Die Wartezeit wurde dann bereits genutzt um mit der Reinigung und den Überprüfungen zu starten, sodass wir an Land direkt mit den weiteren Arbeiten starten konnten. Gegen Mitternacht machten wir uns dann im Konvoi mit den Teams Gosh und Scotland auf den Weg in Richtung Marina, wo ab um 9 Uhr die Empfangs-Zeremonie für alle Teams stattfinden würden. Auf dem Weg dorthin ist das Team Gosh dann in einem ausgebrachten Fischernetz hängen geblieben, sodass sich ihre Ankunft an der Marina verzögerte. Auch wenn sie nach kurzer Zeit bereits wieder frei waren und die Anfahrt fortsetzen konnten, erreichten wir als erstes Boot die Marina und konnten pünktlich um 9 Uhr einlaufen.

Nach einer ersten Überprüfung durch den Grenzschutz wurden wir direkt zu der Empfangs-Zeremonie geleitet. Neben den Willkommens-Worten der geladenen Gäste erhielten wir einen Schal, passend zum aktuellen Mondjahr ein Pferd und die Sektdusche für den Podiums-Platz. Das alles wurde begleitet von Trommeln und Drachentänzern. Alles in allem ein sehr gelungener Empfang. Anschliessend ging es weiter zur Einreisekontrolle, welche sich dann über mehr als eine Stunde hin zog. Erst nachdem alle bei uns an Bord die teilweise unterschiedlichen Formalitäten hinter sich gebracht hatten, durften wir zum Empfang mit ein paar Snacks und kühlen Getränken. Kurze Zeit später traf dann auch die Crew von Gosh ein und wir konnten unsere Erfolge gemeinsam feiern.

Mittlerweile ist der Zwischenstopp in Qingdao schon fast wieder vorbei. Unser Boot ist vorbereitet und in drei Tagen geht es dann weiter in Richtung Tongyeong. Wir blicken bereits seit dem Start des Rennens im letzten August gespannt auf den Stopp in Korea, war deren Delegation beim Rennstart doch so enthusiastisch. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an uns selbst, ein gutes Ergebnis im kommenden Rennen zu erreichen. Mit lediglich 450 Seemeilen ist das nächste Rennen das kürzeste in der gesamten Weltumrundung und entsprechend wenig Zeit bleibt um Fehler wieder gut zu machen. Daher werden wir alles daran setzen, Fehler von Anfang an zu verhindern.

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