Ein Tag zum Vergessen

Es war der erste Tag mit den Tiefdruck-Bedingungen, für die der Nord-Pazifik bekannt ist. Wir befanden uns auf einem Halbwind-Kurs und machten gute Fahrt in Richtung Seattle. Das obwohl der Wind mit Stärke acht bliess und in Böen immer wieder in die Stufe neun schwankte. Die Wellen kamen aus der gleichen Richtung und trafen uns immer wieder voll auf die Breitseite. Entsprechend war es sehr nass an Deck.

Wir hatten bereits frühzeitig unser Vorsegel getauscht und waren mit dem mittleren Segel unterwegs. Das Grosssegel hatten wir als der Wind zunahm bis zum zweiten Reff verkleinert. Und so segelten wir in anspruchsvollen aber gleichwohl beherrschbaren Bedingungen.

Kurz nachdem ich das Ruder übergeben hatte, drehte das Boot in den Wind. Wir versuchten anschliessend alles mögliche um das Boot wieder auf Kurs zu bringen. Doch jedes Mal wenn wir den Bug etwas aus dem Wind bekamen, legte sich das Boot wieder sanft auf die Seite und drehte zurück in den Wind. Nach einigen Minuten des Probierens und einem kurzen Check der Steuerung entschlossen wir uns das Grosssegel ins dritte und kleinste Reff zu nehmen.

Aber auch im dritten Reff waren die Bedingungen nicht wirklich beherrschbar und es wurde klar, dass etwas anderes nicht in Ordnung war. Ein Blick unter das Heck vom Boot liess bereits einen Schaden am Ruderblatt erkennen. Aber erst mit der Kamera wurde das Ausmass klar. Die untere Hälfte des Ruderblatts war abgeknickt. Damit reduziert sich die Steuerwirkung erheblich. Um das Boot wieder auf Kurs zu bringen, musste das Vorsegel geborgen werden. Bei um die 40 Knoten Wind ist das keine leichte Aufgabe. Doch mit fünf Leuten auf dem Vordeck gelang es uns das Segel herunterzubekommen und an Deck zu fixieren.

Nachdem wir die Rennleitung und das Maintenance Team über den Schaden informiert hatten, erhielten wir klare Anweisung weiter mit reduziertem Segelplan zu fahren, um eine weitere Beschädigung des Ruders zu verhindern. Damit sind wir nun mit einem Handicap unterwegs. Wir erreichen nicht die gleichen Geschwindigkeiten wie die anderen Boote und müssen bei der Routenwahl auf gemässigtere Winde achten. Dennoch ist sie Stimmung an Bord gut und wir setzen alles daran möglichst schnell nach Seattle zu kommen. Dort soll dann alles repariert werden, sodass wir pünktlich und ohne Einschränkungen in das nächste Renne starten können. Und wer weiss, vielleicht schaffen wir es ja doch noch unseren Vorsprung über die Ziellinie zu retten und nicht als letzte anzukommen.

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