Für die Wissenschaft

Die Weltmeere bedecken rund 70% der Oberfläche der Erde. Entsprechend gross ist ihr Beitrag zur Klimabilanz unseres Planeten. Doch grosse Teile der Meere sind kaum bis gar nicht erforscht. Für Klimaforscher sind unter anderem die Wassertemperatur, der Salz- und CO2-Gehalt und die Meeresströmungen interessant. Die Temperatur hat einen direkten Einfluss, wieviel CO2 das Wasser speichern kann. Während die Meisten von uns den Transatlantischen Golf-Strom aus der Schule kennen, gibt es unzählige weitere Strömungen, die sich sowohl saisonal als auch in Folge des Klimawandels verändern.

Um die Datenlage zu verbessern, setzen Forschende neben stationären Messstationen in Küstennähe auf Drifter Bojen. Diese treiben, wie der Name vermuten lässt, in den Strömen, sammeln Daten und übermitteln diese an Satelliten. Da wir mit unserem Rennen in Regionen vorstossen, die nur sehr wenig befahren werden, haben einige unserer Boote solche Bojen mitgenommen, um sie dann an definierten Stellen auszusetzen. So haben auch wir eine Boje dabei gehabt. Auf Grund von logistischen Schwierigkeiten zwar nur eine sehr einfache Boje, die lediglich ihre Position ermitteln und übertragen. Trotzdem hoffen wir, dass die Daten aufschlussreich sein werden.

Vor ein paar Tagen war es dann soweit. Wir hatten die Position erreicht, an der wir die Boje aussetzen sollten. Nachdem wir die Boje aktiviert und die korrekte Übertragung verifiziert hatten, konnte ich sie mit ihrem Treibanker aussetzen. Es war erstaunlich, wie schnell die kleine Boje verschwand und nicht mehr sichtbar war. Eine Erinnerung wie wichtig es ist, nicht ins Wasser zu fallen, insbesondere wenn wir über 10 Knoten Fahrt machen. Nun treibt die Boje irgendwo im Südatlantik und sammelt Daten für rund ein halbes Jahr. So lange hält der integrierte Akku. Vielen Dank an Alfred von CV27 – Team Gosh, der die Bereitstellung der Drifter Bojen für uns koordiniert hat.

Am selben Tag haben wir unser Boot sturmsicher gemacht. Gemäss der Wettervorhersage, die wir täglich empfangen, sollte uns in der Nacht ein Trog überholen, der Starkwinde und Sturmböen mit sich bringen würde. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir rund acht Stunden bevor uns das Wettersystem erreichen sollte, die Segelfläche reduziert. Das hiess, dass wir neben unserem kleinsten Vorsegel und der Sturmfock nur noch das Grossegel im zweiten Reff gesetzt hatten. Nebenher haben wir alles an Bord sicher verstaut, damit nichts umherfliegt. Als wir mit den Vorbereitungen fertig waren, fuhren wir zwar etwas langsamer als die anderen Boote der Flotte. Dafür waren wir gewappnet für die vorhergesagten Bedingungen.

Über die frühen Abendstunden bis etwa 10 Uhr nahm der Wind dann zu, bis wir irgendwo um die 35 Knoten Windgeschwindigkeit lagen. Als wir unsere Wache um 11 Uhr übernommen haben, sollte der Höhepunkt bereits erreicht sein, sodass wir in den kommenden Stunden mit einer Abnahme des Windes rechneten. Trotz der reduzierten Segelfläche machten wir in den Bedingungen rund zwölf Knoten Fahrt. Wann immer das Boot ins Gleiten kam, waren bis zu 19 Knoten auf der Logge zu sehen.

In diesen Bedingungen waren gute Steuerleute gefragt, die das Boot auch bei Wind und rund fünf Meter hohen Wellen auf Kurs halten können. Als zusätzliche Schwierigkeit kam die Nacht dazu, die auf Grund der dichten Wolken besonders dunkel war. Dem entsprechend wechselten wir uns zu zweit am Ruder ab. So war die vierstündige Wache zwar anstrengend, aber zumindest hatte jeder auch etwas Pause. Kurz vor Ende unserer Wache erreichte uns dann eine der Gewitterböen, die vorhergesagt waren, mit über 50 Knoten Windgeschwindigkeit. Ich war zu dieser Zeit am Ruder. Es dauerte nur ein paar Sekunden, vielleicht eine Minute, bis die Böe vorübergezogen war. Doch in diesem Augenblick war ich froh um die Vorbereitungen, das Training und das Vertrauen in unser Boot, die es uns ermöglicht haben, dies unbeschadet zu überstehen. Kurze Zeit später war der Wind auf unter 30 Knoten zurückgegangen und wir segelten, als ob nie etwas passiert wäre.

In der Zwischenzeit sind wir nur noch rund einen Tag von der Ziellinie vor Kapstadt entfernt. Die Winde sind wesentlich leichter geworden, sodass wir mittlerweile unseren leichtesten Spinnaker setzen konnten. Die Tage davor waren geprägt von diversen Segelwechseln. Dadurch sind wir mittlerweile ziemlich gut darin geworden. Spinnaker hoch, Vorsegel runter oder umgekehrt. Zwischendrin immer wieder kleinere Reparaturen an den Segeln, wann immer uns etwas aufgefallen ist. Entsprechend anstrengend waren die Tage, weshalb auch dieser Beitrag etwas länger gedauert hat. Aber es hat sich gelohnt. Wir konnten bisher unsere Position verteidigen. Mit nur wenigen Meilen zwischen uns und unseren Verfolgern auf CV21 – Seattle Sports müssen wir konzentriert bleiben. Und vielleicht ist sogar nach vorne noch etwas zu machen, je nachdem wie sich der Wind entwickelt. Gleichzeitig fühlen wir mit CV26 – Washington DC, die nach einer Kollision mit einem unbekannten Objekt ein Ruder nicht mehr nutzen können und daher das Rennen vorzeitig beenden mussten. Sie sind nun unter Maschine auf sicherem Weg nach Kapstadt.

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