Die Erleichterung war gross, als unser kürzlich reparierter Spinnaker am Mast stand. Es waren ein paar bange Momente, wussten doch alle wie viel Zeit in Punta del Este auf die Reparatur verwendet worden war. Umso grösser waren die Emotionen, als er in voller Grösse da stand. Die Reparaturen waren unübersehbar, aber er hat uns direkt beschleunigt, was uns alle für die Mühen entschädigt hat. Freudentränen und Jubelrufe wechselten einander ab.
Ich war zu der Zeit, als der Spinnaker gesetzt wurde, auf Freiwache. Zunächst war ich unschlüssig ob ich meine Freiwache auskosten und mich aufs Ohr legen sollte. Oder doch lieber bereit halten, falls etwas schief läuft. Da ich ohnehin nicht schlafen konnte, unterstützte ich das Manöver von Unterdeck. So löste sich auch mein inneres Dilemma. Anschliessend konnte ich dann noch für ein paar Stunden ausruhen, bevor es wieder an Deck ging.
Soweit war zumindest meine Überlegung als ich mich hinlegte. Nach dem Wecken begannen wir unser Abendessen zu vertilgen. Währenddessen starteten an Deck die Vorbereitungen für das Bergen des Spinnakers. Nach den jüngsten Erfahrungen und in Anbetracht steigender Windgeschwindigkeiten in der Prognose wollten wir auf Nummer sicher gehen. Daher sollte der Spinnaker runter kommen und dafür ein etwas kleineres Vorsegel gesetzt werden. Zwar wurde unser Abendessen durch den Segelwechsel etwas früher beendet, aber am Ende des Tages sind wir eine Renn-Yacht in einem Rennen. Das heisst dann eben auch, dass Manöver Vorrang haben vor den Bedürfnissen der Crew-Mitglieder.
Heute morgen gab es dann das umgekehrte Schauspiel. Nachdem der Wind deutlich abgenommen hatte und die Sonne aufgegangen war, war wieder ein Segelwechsel angesagt. Diesmal war es noch vor dem Frühstück. Somit wurde zwar keine Mahlzeit unterbrochen, aber unsere Vorbereitungszeit etwas verkürzt. Dennoch hatten wir pünktlich um halb sieben den Kaffee gekocht, Toast getoastet und alles Übrige angerichtet, sodass die andere Wache sich stärken konnte, bevor sie das Deck übernommen. Anschliessend war meine Wache dran mit dem Frühstück, bevor sie sich für ein paar Stunden erholen konnten. Für meinen Gegenpart in der anderen Wache und mich ging es hingegen an den Abwasch und dann an die Vorbereitungen für das Mittagessen. Wieder wollen zwei Wachen verköstigt werden. Auf Grund der Verfügbarkeit gewisser Lebensmittel in Uruguay waren nicht alle Zutaten vorhanden, die auf dem Plan standen. Daher mussten wir kurzfristig umdisponieren. Den leeren Schüsseln nach zu urteilen, ist uns das aber ganz gut gelungen und es sind keine Reste geblieben.
Jetzt bleibt noch das Abendessen, bevor wir dann mit dem letzten Abwasch den Staffel-Stab weitergeben und zwei Andere die “Galley-Watch” übernehmen. Unsere Belohnung ist eine ganze Nach Schlaf, bevor wir morgen mit dem Frühstück wieder in den normalen Wach-Rhythmus einsteigen. So geht es dann herum bis alle einmal gekocht haben und wir in einer Woche erneut an der Reihe sind. Und das könnte dann bereits unsere letzte Wache in der Kombüse auf diesem Abschnitt gewesen sein. Aktuell sind es noch rund 2600 Seemeilen bis zum Ziel und wir legen aktuell rund 240 pro Tag zurück. Entsprechend wäre es denkbar, dass wir bereits in elf Tagen unser Ziel in Südafrika erreichen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg auf dem noch die eine oder andere Überraschung warten kann. Somit bleibt uns nicht viel anderes übrig, als einfach weiter zu segeln und das möglichst schnell.

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